01 · Funktionieren
Lange war Anpassung meine sicherste Fähigkeit.
Schon als Kind habe ich mich angepasst, um die Harmonie in der Familie zu bewahren. Später tat ich dasselbe im Beruf und in meinen langjährigen Beziehungen. Ich funktionierte, erfüllte Erwartungen und glaubte lange, ich müsste nur noch mehr geben, mich noch besser anpassen und noch mehr leisten, um zu genügen.
Nach außen habe ich gelächelt. Innen war ich längst im Überlebensmodus. Und das Verrückte daran: Es sah nach Stärke aus.
02 · Hinterfragen
Warum reicht es nicht, wenn von außen alles stimmt?
Ich hatte einen sicheren Job im öffentlichen Dienst. Ich hatte zwei langjährige Beziehungen. Ich hatte Verantwortung und Struktur. Nach außen schien alles perfekt. Niemand hätte geahnt, wie wenig das Bild nach außen mit dem übereinstimmte, was ich tatsächlich erlebte. Ich fühlte mich in einem ständigen Kampf.
Trotzdem blieb ein Gefühl, das sich nicht wegargumentieren ließ. Ich habe es lange für Undankbarkeit gehalten. Heute weiß ich: Es war die Differenz zwischen einem Leben, das erfüllt, und einem, das nur erfüllt wird.
03 · Bruch
Mein Körper hatte längst begonnen, Nein zu sagen.
2018 kam der erste deutliche Bruch: ein zweifacher Bandscheibenvorfall.
2019 folgten Panikattacken und weitere körperliche Symptome.
Doch erst 2020 verstand ich, was mein Körper mir längst zu sagen versuchte:
So geht es nicht weiter.
Ich begann, mein Leben infrage zu stellen. Meine Entscheidungen. Meine Rollen. Meine Erwartungen. Und irgendwann blieb nur noch diese eine Frage: Wer bin ich eigentlich noch, wenn ich aufhöre, nur zu funktionieren?
Heute weiß ich: Mein Körper war damals nie mein Gegner. Er war mein Weckruf.
2020 begann ich, mein Drehbuch neu zu schreiben. Nicht, weil ich wusste, wohin mein Weg führen würde. Sondern weil ich wusste, dass ich so nicht weitermachen konnte. Die Angst vor dem Danach war enorm, aber die Angst davor, in meinem alten Leben zu bleiben und zu zerbrechen, wurde größer.
04 · Suche
Also bin ich stehen geblieben und habe hingesehen.
Es folgte eine intensive Auseinandersetzung mit mir selbst: Therapien, 1:1-Coaching, Bewusstseinsarbeit und meine Weiterbildung zur zertifizierten Mentorin für ganzheitliche Gesundheit.
Ich habe nicht nach schnellen Lösungen gesucht, sondern nach Zusammenhängen. Jahr für Jahr habe ich mein Fundament in allen Lebensbereichen neu aufgebaut, nicht in einem einzigen großen Schritt.
05 · Verstehen
Diese Themen lassen sich nicht getrennt bearbeiten.
Das war die eigentliche Erkenntnis. Wer in Beziehungen zurücksteckt, tut das selten nur in Beziehungen. Wer beruflich unter Wert bleibt, hat das meist nicht im Beruf gelernt. Angst, Selbstwert, Identität, Nähe und Arbeit hängen zusammen.
Deshalb reicht es nicht, an einer Stelle zu schrauben. Wer nur das Verhalten ändert, ohne zu verstehen, wofür es einmal gut war, landet zuverlässig wieder am Anfang.
06 · Heute
Aus dieser Arbeit ist alles entstanden, was es heute gibt.
Ohne es zu planen, habe ich andere angesteckt. Aus Gesprächen wurden Anfragen für Mentorings und Speaker-Auftritte. Daraus entstand die Idee, mein Wissen und meine erprobten Methoden an einem Ort zugänglich zu machen.
Heute sind daraus ein Buch, eine Lernwelt und eine App geworden: „Wenn die Maske bricht“, Studio und EchtSein.